21.03.2020

Wie motiviere ich meine Mitarbeiter in Krisenzeiten?

Viele Unternehmer und Führungskräfte kommen aktuell an ihre Grenzen, sind mit der Komplexität der Situation überfordert und wissen nicht wie sie mit dieser umgehen sollen. Doch gerade in Krisensituationen ist es wichtig...

Viele Unternehmer und Führungskräfte kommen aktuell an ihre Grenzen, sind mit der Komplexität der Situation überfordert und wissen nicht wie sie mit dieser umgehen sollen. Doch gerade in Krisensituationen ist es wichtig den Mitarbeitern Sicherheit zu vermitteln und für möglichst reibungslose Abläufe zu sorgen, um den bereits vorhandenen Schaden nicht noch größer zu machen...

In meinen 15 Jahren Berufserfahrung in der Gießereiindustrie - als Ingenieurin, Produktionsleiterin und Geschäftsführerin - habe ich die eine oder andere Krise miterlebt. Am härtesten hat uns damals die Wirtschafts- und Finanzkrise in Folge der Lehman-Pleite getroffen. Ich musste meine Mitarbeiter über Monate der Kurzarbeitsphase hinweg motiviert halten, um die Aufträge die wir hatten - natürlich alle mit extrem kurzen Lieferzeiten – termingerecht auszuliefern. Ich musste dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter Ruhe bewahren und konzentriert weiterarbeiten, während wir an den Sozialplänen für sozialverträgliche Entlassungen gearbeitet haben. Ohne unnötige Reibungsverluste und Turbulenzen durch solche Krisenzeiten zu kommen ist nur mit einer souveränen Führung möglich. Diese 5 Tipps können Unternehmern und Führungskräften dabei helfen die aktuelle Krise erfolgreich zu bewältigen:

  • Tipp 1: Gehen Sie mit gutem Beispiel voran
    Als Vorgesetzter egal in welcher Position sind Sie immer auch ein Vorbild, Ihre Mitarbeiter orientieren sich an Ihnen, ob Sie das wollen oder nicht. Daher ist es besonders in Krisensituationen wichtig dass Sie mit Ruhe und gutem Beispiel voran gehen. Wenn die Mitarbeiter sehen, dass Sie souverän bleiben und nicht in Aktionismus und Hektik verfallen werden sie auch ruhig bleiben. Wenn die Mitarbeiter sehen, dass Sie die neuen Hygienemaßnahmen sehr ernst nehmen, Abstand halten, sich regelmäßig die Hände waschen, dann werden das auch ihre Mitarbeiter tun.

     

  • Tipp 2: Kommunizieren Sie klar und offen
    In Krisensituationen ist es enorm wichtig offen und klar zu kommunizieren um die Verunsicherung nicht noch weiter zu verstärken und um der Gerüchteküche vorzubeugen. Insbesondere jetzt wo die persönliche Kommunikation von Mensch zu Mensch eingeschränkt ist, sollten Sie noch deutlich mehr Zeit in die Kommunikation investieren als Sie es normalerweise tun. Wenn Ihre Mitarbeiter mit Gerüchten, Sorgen und Verunsicherung beschäftigt sind, können sie sich nicht vernünftig auf ihre Arbeit konzentrieren. Die Leistung fällt ab, der Krankenstand steigt und es passieren Fehler, die eigentlich unnötig sind. Deshalb ist jede einzelne Minute die Sie in die Kommunikation investieren gut investierte Zeit. Seien Sie in Ihrer Kommunikation so klar und deutlich wie möglich. Wenn Sie Raum für Spekulationen lassen, können Sie sicher sein dass dieser Raum auch genutzt wird. Auch wenn Sie selbst nicht genau wissen wie es weitergeht, sollten Sie Ihren Mitarbeitern dies kommunizieren: „Ich kann momentan auch noch nicht einschätzen was in den nächsten Wochen oder Monaten auf uns zu kommt. Aber aktuell haben wir folgenden Plan: Bis zum 15.04. arbeiten zunächst alle Mitarbeiter im Homeoffice, sollte sich die Situation bis dahin nicht verbessert haben, werden wir nach jetzigem Stand Kurzarbeit anmelden müssen. Das bedeutet… Wenn es aktuelle Informationen gibt, gebe ich Ihnen sofort Bescheid. Sollten Sie Fragen haben oder irgendetwas unklar sein melden Sie sich bitte sofort telefonisch bei mir. Ich weiß dass die Situation schwierig ist, das ist sie für uns auch, aber wir werden unser Bestes geben um gut durch diese Krise zu kommen.„ Womit die meisten Menschen nicht zurechtkommen ist Unklarheit, deswegen kommunizieren Sie so klar und offen wie möglich.

     

  • Tipp 3: Informieren Sie Ihre Mitarbeiter auch dann wenn es nichts Neues gibt
    Die Mitarbeiter sind verunsichert, das ist in dieser Situation normal. Sie machen sich Sorgen um die Gesundheit, darum ob ihre Firma die Krise übersteht und wie es finanziell weitergeht. Sie helfen Ihren Mitarbeitern indem Sie sie regelmäßig über den aktuellen Stand informieren, selbst wenn es nichts Neues zu berichten gibt. Beispielsweise könnten Sie zum Wochenende hin schreiben: „Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie Sie wahrscheinlich alle über die Nachrichten und die sozialen Medien verfolgt haben, gibt es aktuell keine neuen Vorgaben. Auch von unserer Seite aus hat sich im Laufe der Woche keine Veränderung ergeben, so dass wir bei unserem Plan bleiben und nächste Woche wie geplant im Homeoffice /mit Notbesetzung arbeiten. Ich wünsche Ihnen allen trotz der schwierigen Umstände ein schönes Wochenende. „

     

  • Tipp 4: Sprechen Sie Schwierigkeiten offen an
    Wenn Sie wissen, dass es Mitarbeiter/innen gibt für die das Homeoffice zum Beispiel auf Grund der Kinderbetreuung schwierig sein könnte sprechen Sie dies proaktiv an. Warten Sie nicht bis der Mitarbeiter auf Sie zukommt. Auch wenn zunächst keine Probleme offensichtlich sind, fragen Sie regelmäßig nach wie die ungewohnte Situation für die Mitarbeiter ist und welche Probleme es gibt. Am besten funktioniert dies, wenn Sie ebenfalls erzählen, wie ungewohnt es für Sie selbst im Homeoffice ist, weil es so ruhig ist, oder weil Sie sich in heimischer Umgebung einfach schlechter konzentrieren können als im Büro. Damit zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind. Das fördert das Gemeinschaftsgefühl und das Vertrauen ineinander.

     

  • Tipp 5: Zeigen Sie Kulanz
    Wir befinden uns alle in einer Ausnahmesituation und sie können davon ausgehen, dass die meisten versuchen diese so gut wie möglich zu meistern. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern gegenüber Kulanz. Machen Sie deutlich, dass einerseits alle ihr Bestes geben sollten, damit die Firma die Krise übersteht, aber andererseits es auch in Ordnung ist, wenn die Arbeit nicht in der gewohnten Menge oder zu den gewohnten Uhrzeiten geleistet werden kann. Bieten Sie Mitarbeitern in besonders schwierigen Situationen an Überstunden abzubauen oder Minusstunden aufzubauen. Überlegen Sie ob die Möglichkeit besteht die Arbeitszeit flexibler zu gestalten um den Mitarbeitern die Kinder zu betreuen haben entgegenzukommen.

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